Flexible Bedienungsangebote

Innovative Mobilitätslösungen

Flexible Bedienung in ländlichen Räumen

Barrierefreier Niederflur-Kleinbus mit geöffneter Tür und ausgeklappter Rampe
Einstiegsbereich eines barrierefreien Niederflur-Kleinbusses
Sitzbereich eines barrierefreien Niederflur-Kleinbusses

Der Regionalverband arbeitet zurzeit an neuen Strategien für die Mobilität in ländlichen Gebieten, um den Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen. Dabei hat er insbesondere flexible Bedienungsangebote mit barrierefreien Kleinbussen im Fokus. Sie sollen verstärkt Teil des ÖPNV-Angebotes in ausgewählten Bediengebieten werden.

Das Land Niedersachsen beabsichtigt, hierfür Fördermittel zur Verfügung zu stellen, die die Einrichtung von diesen Verkehren, teils ohne festen Fahrplan, ermöglichen. Dabei werden Fahrtwünsche von den Fahrgästen per App, Internet oder Telefon übermittelt und eine Software berechnet die optimale Route für die Kleinbusse. An das dafür erforderliche Dispositionssystem werden somit hohe Anforderungen gestellt.

Diese neuen Angebote sollen auch die Umsteigepunkte zu den Buslinien und Zugstrecken bedienen. Dadurch werden auch kleinere Orte besser an die bereits bestehenden Linienverkehre angebunden. Um die Fußwege für die Fahrgäste zu verkürzen, wird erwogen, in den eingebundenen Kommunen zusätzliche Halteorte zu schaffen.

Auch bei den flexiblen Bedienungsangeboten wird der Tarif des Verkehrsverbundes Region Braunschweig (VRB) angewendet.

Untersucht wird im Regionalverband neben der Einrichtung von fahrplanunabhängigen Verkehren auch die Einführung fahrplangebundener Gemeinde-, Orts- und Quartierbuslinien. Zum Beispiel wurde in Lehre im Dezember 2018 die Gemeindebuslinie 388 eingeführt, die viele Ortsteile miteinander verbindet sowie Anschlüsse nach Braunschweig und Wolfsburg herstellt.

Es ist beabsichtigt, mehrere Arten differenzierter ÖPNV-Angebote einzurichten, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der verschiedenen Räume im Verbandsgebiet gerecht zu werden. Die verschiedenen Formen der flexiblen Bedienung sind:


Finanzmittel

Für die Einrichtung von flexiblen Bedienungsangeboten gibt es verschiedene Finanzmittel. Zum Beispiel bietet die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) auf ihrer Internetseite einen Überblick über alle Finanzierungsquellen und Fördertöpfe im ÖPNV. In Planung ist eine Förderrichtlinie des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, durch die speziell die Einrichtung flexibler Bedienungsangebote unterstützt wird.


Fachseminar zum Thema „Flexibel unterwegs – Nahverkehr der Zukunft?"

Gemeinsam mit dem Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN) veranstaltete der Regionalverband am 22.05.2019 im Tagungshaus Alte Mensa in Göttingen ein Fachseminar zum Thema „Flexibel unterwegs – Nahverkehr der Zukunft?", bei dem ländliche Räume in den Fokus genommen wurden. Etwa 150 Gäste waren an Themen der Weiterentwicklung des ÖPNV interessiert.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Fragen der Nutzung durch die Fahrgäste, der Wirtschaftlichkeit, der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Wechselwirkungen zu anderen Verkehrsmitteln. Vorgestellt wurden auch Ergebnisse des Forschungsprojektes „EcoBus“ sowie weitere aktuelle Entwicklungen in Niedersachsen und auf Bundesebene.

In einer anschließenden Podiumsdiskussion wurden Perspektiven von On-Demand-Systemen in der Fläche mit Michael Frömming, ZVSN-Verbandsgeschäftsführer, Fritz Rössig, Leiter der Abteilung Regionalverkehr beim Regionalverband Großraum Braunschweig, Prof. Stephan Herminghaus, Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, Dr. Arne Schneemann, DB Regio Bus, Region Nord, Vorsitzender der Regionalleitung, und Michael Müller, Präsident Deutscher Taxi-und Mietwagenverband (BZP), diskutiert.

Die Vorträge der öffentlichen Veranstaltung zur Weiterentwicklung des ÖPNV sind weiter unten durch Klicken auf den Namen des Referenten abrufbar.

Der Regionalverband bedankt sich bei den Vortragenden für die Zurverfügungstellung der Daten und bei den Gästen für das Interesse.

Vorträge

  • Flexible Angebotsformen: Perspektiven des Landes Niedersachsen
    Richard Eckermann, Leiter des Referats Schiene und ÖPNV im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, stellte Perspektiven des Landes Niedersachsen in Aussicht und forderte auf, die guten Chancen für Fördergelder zu nutzen, um neue Projekte für flexible Angebote zu starten.

  • Geschichte und Marktübersicht zu fahrplanfreien Mobilitätsangeboten (On-Demand-Verkehr)
    Dr. Christian Mehlert, Berater bei der KCW GmbH, kann auf über 20 Jahre Expertise bei On-Demand-Verkehren zurückblicken und gab Empfehlungen zum fahrplanfreien Flächenbetrieb.

  • Mobilität in der Fläche: moobil+
    Florian Wegmann vom Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung des Landkreises Vechta stellte das dortige erfolgreiche kreisweite Rufbussystem vor: Nachdem es im Landkreis Vechta kein akzeptables flächendeckendes ÖPNV-Angebot gab, wurde mit moobil+ eine nachhaltige Mobilitätslösung geschaffen.

  • EcoBus - Praxiserfahrungen zur bedarfsgesteuerten Mobilität
    Prof. Dr. Stephan Herminghaus, Leiter der Abteilung "Dynamik komplexer Fluide" im Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS), berichtete vom Pilotprojekt „EcoBus“ und beschrieb Praxiserfahrungen zur bedarfsgesteuerten Mobilität aus dem EFRE-Forschungsprojekt der Max-Planck-Gesellschaft im Südniedersachsenprogramm.

  • Kooperation der Aufgabenträger mit dem Taxi- und Mietwagengewerbe als strategische Option für den ÖPNV im ländlichen Raum
    Dr. Hubertus Baumeister, Rechtsanwalt bei BBG und Partner in Bremen, sprach über die Kooperation der Aufgabenträger mit dem Taxi- und Mietwagengewerbe als strategische Option für den ÖPNV im ländlichen Raum. Er zeigte Vorteile einer Kooperation zwischen ÖPNV-Aufgabenträgern und Taxi- und Mietwagenunternehmern auf und wies auf konkrete mögliche Schritte für Niedersachsen hin.